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Technik · 8 Minuten Lesezeit

Rollstuhlrampe: wie lang sie sein muss, wie steil sie sein darf und was sie tragen muss

Rollstuhlrampe richtig wählen: Steigung selbst rechnen, was DIN 18040 vorgibt, welche Länge 3 oder 5 Stufen bräuchten und was die Rampe tragen muss.

Von Steven Schulz · Stand:

Eine Stufe von 17 Zentimetern, drei Rampen im gleichen Maßstab Seitenansicht in drei Reihen untereinander, Höhe und Länge im selben Maßstab. In jeder Reihe steht rechts dieselbe 17 Zentimeter hohe Stufe, links davon liegt eine keilförmige Rampe, die vom Boden auf die Oberkante der Stufe führt. Oben ist die Rampe mit 6 Prozent Steigung 2,83 Meter lang und reicht fast über die ganze Bildbreite. In der Mitte ist die Rampe mit 10 Prozent Steigung 1,70 Meter lang. Unten ist die Rampe mit 15 Prozent Steigung 1,13 Meter lang. Je steiler die Rampe, desto kürzer ist sie. Ein Maßstabsbalken unten links zeigt einen Meter. Eine Stufe von 17 cm, gleicher Maßstab 6 % Steigung: 2,83 m 17 cm 10 % Steigung: 1,70 m 15 % Steigung: 1,13 m 1 Meter Höhe und Länge im selben Maßstab
Seitenansicht einer 17 Zentimeter hohen Stufe mit drei Rampen im gleichen Maßstab: Bei 6 Prozent Steigung ist die Rampe 2,83 Meter lang, bei 10 Prozent 1,70 Meter und bei 15 Prozent 1,13 Meter.

Ob eine Rollstuhlrampe passt, entscheidet eine Rechnung, die Sie mit Zollstock und Taschenrechner selbst machen: Höhe geteilt durch Länge, mal hundert, ergibt die Steigung in Prozent. Für fest eingebaute Rampen nennt die Norm für barrierefreies Bauen, DIN 18040, höchstens 6 Prozent. Eine Stufe von 17 Zentimetern braucht dafür eine Rampe von 2,83 Metern. Mobile Rampen sind fast immer kürzer und damit steiler. Das ist kein Mangel, verlangt aber, dass Sie wissen, wer hinauffährt, wer schiebt und was Rollstuhl, Elektromobil oder Elektrorollstuhl an Steigung schaffen.

Die Steigung rechnen Sie selbst

Die Formel lautet: Höhe ÷ Länge × 100 = Steigung in Prozent. Beide Werte gehören in dieselbe Einheit, am besten Zentimeter.

Ein Beispiel: Die Stufe vor der Haustür ist 17 Zentimeter hoch, die Rampe 120 Zentimeter lang. 17 ÷ 120 × 100 ergibt 14,2 Prozent.

Umgekehrt geht es genauso: Höhe ÷ Steigung × 100 = nötige Länge. Für 17 Zentimeter bei 6 Prozent sind das 17 ÷ 6 × 100 = 283 Zentimeter.

Messen Sie die Höhe senkrecht, vom Boden, auf dem die Rampe unten aufliegt, bis zur Kante, auf der sie oben aufliegt. Eingangsstufen sind oft unterschiedlich hoch, schätzen Sie also nicht.

Was DIN 18040 vorgibt – und für wen

Zwei Teile der Norm sind hier wichtig. Teil 1 gilt für öffentlich zugängliche Gebäude wie Arztpraxen, Behörden oder Geschäfte, Teil 2 für Wohnungen und Gebäude mit Wohnungen. Für Rampen stehen in beiden Teilen dieselben Anforderungen, in Teil 1 im Abschnitt 4.3.8, in Teil 2 im Abschnitt 4.3.7:

  • Die Neigung der Rampenläufe darf höchstens 6 Prozent betragen. Eine Querneigung ist unzulässig.
  • Die nutzbare Laufbreite muss mindestens 120 Zentimeter betragen.
  • Ein einzelner Rampenlauf darf höchstens 600 Zentimeter lang sein. Bei längeren Rampen und bei Richtungsänderungen sind Zwischenpodeste mit mindestens 150 Zentimetern nutzbarer Länge erforderlich.
  • Am Anfang und am Ende braucht es eine Bewegungsfläche von mindestens 150 mal 150 Zentimetern.
  • Beidseitig gehören Radabweiser von 10 Zentimetern Höhe an Lauf und Podeste, außer dort, wo eine Wand die Rampe seitlich begrenzt.
  • Beidseitig gehören Handläufe dazu, Oberkante 85 bis 90 Zentimeter über dem Belag.
  • In der Verlängerung einer Rampe darf keine abwärts führende Treppe liegen.

Für die mobile Rampe, die Sie vor die Stufe legen, ist das keine Vorschrift. Beide Normteile gelten nach ihrem eigenen Anwendungsbereich für Neubauten und sollen beziehungsweise können bei Umbauten sinngemäß angewendet werden. Ob sie für ein Bauvorhaben verbindlich sind, regelt das Bauordnungsrecht des jeweiligen Landes. Als Maßstab taugen die 6 Prozent trotzdem: Sie beschreiben, was im Rollstuhl ohne fremde Hilfe sicher zu befahren ist.

Die Querneigung verdient besondere Aufmerksamkeit. Eine Rampe, die schief liegt, weil der Boden darunter zur Seite abfällt, ist gefährlicher als eine, die etwas steiler ist. Warum, steht in Warum ein Elektromobil kippt.

Warum mobile Rampen steiler sind

Eine Rampe von fast drei Metern für eine einzige Stufe trägt niemand täglich zum Auto. Mobile Rampen sind deshalb in aller Regel kürzer und deutlich steiler als 6 Prozent. Selbst die Regeln für die Mitnahme von Elektromobilen im Linienbus rechnen mit Rampen bis 12 Prozent, siehe Mit dem Elektromobil in Bus und Bahn.

Welche Steigung vertretbar ist, hängt davon ab, wer fährt:

  • Allein im Rollstuhl mit Greifreifen: Hier ist die Norm der richtige Maßstab. Schon 6 Prozent kosten Kraft, und bergab muss jede Bremsung mit den Händen gelingen.
  • Im Rollstuhl, der geschoben wird: Eine kräftige Begleitperson schafft mehr. Sie hält aber das ganze Gewicht, auch bergab. Lassen Sie sich die Technik für Rampen im Sanitätshaus oder in der Physiotherapie zeigen, bevor Sie es zum ersten Mal brauchen.
  • Mit Elektromobil oder Elektrorollstuhl: Die Grenze steht in der Bedienungsanleitung als maximal zulässige Steigung. Sie ist eine Grenze, keine Empfehlung. Liegt die Rampe darüber, ist sie für dieses Fahrzeug zu steil, egal wie stabil sie aussieht.

Dazu kommt die Bodenfreiheit. Wo die Rampe oben auf die Stufe trifft, entsteht ein Knick. Ein Seniorenmobil mit langem Radstand und wenig Bodenfreiheit kann dort aufsetzen, auch wenn die Steigung passt.

Rampe für Treppen mit 3 oder 5 Stufen: die Rechnung

Für die Tabelle ist eine Stufenhöhe von 17 Zentimetern angenommen. Das ist ein üblicher Wert, aber kein fester. Messen Sie Ihre eigene Treppe nach. Die Längen sind gerundet.

Höhe bei 6 % bei 10 % bei 15 %
10 cm (Bordstein, kleine Stufe) 1,67 m 1,00 m 0,67 m
17 cm (1 Stufe) 2,83 m 1,70 m 1,13 m
34 cm (2 Stufen) 5,67 m 3,40 m 2,27 m
51 cm (3 Stufen) 8,50 m 5,10 m 3,40 m
85 cm (5 Stufen) 14,17 m 8,50 m 5,67 m

Bei einer festen Rampe nach DIN 18040 kommt noch etwas hinzu. Nach höchstens 6 Metern Lauf braucht es ein Zwischenpodest von 1,50 Metern. Ein einzelner Lauf schafft bei 6 Prozent also höchstens 36 Zentimeter Höhe. Für drei Stufen ergibt das 6 Meter Lauf, 1,50 Meter Podest und 2,50 Meter Lauf, zusammen 10 Meter. Für fünf Stufen sind es drei Läufe und zwei Podeste, zusammen gut 17 Meter. Die Bewegungsflächen oben und unten sind dabei noch nicht mitgerechnet.

Eine mobile Rampe für fünf Stufen wäre selbst bei 15 Prozent noch 5,67 Meter lang. Das ist für eine Begleitperson kaum zu tragen, und die Steigung liegt weit über dem, was die Norm für selbstständiges Fahren vorsieht.

Ab etwa zwei bis drei Stufen ist eine Rampe deshalb oft nicht mehr die Lösung. Dann lohnt der Blick auf einen Treppensteiger, mit dem eine Begleitperson den Rollstuhl die Stufen hinaufbringt, oder auf einen fest eingebauten Plattformlift.

Tragfähigkeit: zusammenzählen, nicht schätzen

Die Tragfähigkeit der Rampe muss alles abdecken, was gleichzeitig darauf steht:

  • das Leergewicht des Fahrzeugs mit Akku, laut Typenschild oder Bedienungsanleitung,
  • Ihr Körpergewicht,
  • die Zuladung, also Einkauf, Tasche und Gehstock,
  • die Begleitperson, wenn sie beim Schieben mit auf der Rampe läuft.

Planen Sie eine Reserve ein, statt die Angabe auszureizen. Bei Schienenrampen klären Sie, ob die angegebene Tragfähigkeit für das Paar oder für eine einzelne Schiene gilt. Fehlt die Angabe ganz, ist die Rampe nicht geeignet.

Bauarten: Schienen, Platten, mehrteilig

Teleskop- oder Schienenrampen. Zwei einzelne Schienen, meist aus Aluminium, oft ausziehbar. Sie sind vergleichsweise leicht und lassen sich einzeln tragen. Dafür muss jedes Rad genau in seiner Spur bleiben.

Faltbare Plattenrampen. Eine durchgehende Fläche, die sich zusammenklappen und wie ein Koffer tragen lässt. Sie verzeiht kleine Lenkfehler, ist aber schwerer und sperriger.

Rampen für mehrere Stufen. Lange, mehrteilige Rampen oder fest montierte Anlagen. Was bei einer festen Rampe Vermieter oder Eigentümergemeinschaft mitreden, steht in Rampe am Hauseingang: Mietrecht und Zuschuss.

Bei jeder Bauart zählen drei Punkte:

  • eine rutschhemmende Oberfläche, die auch bei Nässe, Laub und im Winter greift,
  • eine seitliche Aufkantung, damit kein Rad über den Rand rollt, so wie die Radabweiser bei festen Rampen,
  • eine sichere Auflage oben, die nicht abrutschen kann, und ein flacher Übergang unten.

Schienen und Dreirad: eine Schiene zu wenig

Hier passieren viele Fehlkäufe. Ein Paar Schienen trägt zwei Spuren. Ein dreirädriges Elektromobil hat aber drei: zwei Hinterräder außen und ein Vorderrad in der Mitte. Das Vorderrad läuft zwischen den Schienen ins Leere. Für ein Dreirad brauchen Sie eine dritte Schiene in der Mitte oder eine durchgehende Plattenrampe. Mehr zur Bauart steht in drei oder vier Räder.

Auch beim vierrädrigen Fahrzeug und beim Rollstuhl lohnt der Zollstock: Messen Sie den Radabstand vorn und hinten getrennt. Bei vielen Rollstühlen laufen die kleinen Lenkräder in einer anderen Spur als die großen Räder. Die Schienen müssen beide Spuren tragen.

Der Freilauf ist auf der Rampe die größte Gefahr

Elektromobile und Elektrorollstühle lassen sich mit einem Hebel in den Freilauf schalten, damit man sie schieben kann. Im Freilauf rollt das Fahrzeug, bremst aber nicht mehr elektrisch. Auf einer Rampe hält dann allein die Person, die schiebt, das ganze Gewicht. Darauf weist auch Elektromobil im Auto transportieren hin.

Schafft das Fahrzeug die Steigung laut Anleitung, fährt es deshalb mit eigener Kraft und Bremse hinauf und hinunter: langsam, gerade, ohne auf der Rampe anzuhalten. Eine Rampe, die sich nur im Freilauf bewältigen ließe, ist für ein schweres Fahrzeug keine gute Rampe.

Was Sie jetzt tun können

  1. Messen Sie die Höhe, die überwunden werden soll, senkrecht nach und schreiben Sie sie auf. Bei mehreren Stufen messen Sie jede einzeln.
  2. Suchen Sie in der Bedienungsanleitung die maximal zulässige Steigung und das Leergewicht Ihres Fahrzeugs heraus.
  3. Rechnen Sie mit Höhe ÷ Steigung × 100 die nötige Länge aus und prüfen Sie, ob vor der Stufe genug Platz ist, mit einer ebenen Fläche am Anfang und am Ende.
  4. Zählen Sie Fahrzeug, Körpergewicht, Zuladung und gegebenenfalls die Begleitperson zusammen und vergleichen Sie die Summe mit der Tragfähigkeit der Rampe.
  5. Bei drei Stufen oder mehr prüfen Sie, ob ein Treppensteiger oder ein Lift die bessere Lösung ist, und klären Sie vorher, wer die Kosten übernehmen kann.

Häufige Fragen

Wie steil darf eine Rollstuhlrampe sein?

Für fest eingebaute Rampen in öffentlich zugänglichen Gebäuden und in Wohngebäuden nennt DIN 18040 höchstens 6 Prozent, ohne Querneigung. Für mobile Rampen gibt es keine solche feste Grenze. Maßgeblich sind dann die Angaben des Rampenherstellers und die maximal zulässige Steigung Ihres Fahrzeugs.

Wie lang muss eine Rampe für eine Stufe sein?

Bei 17 Zentimetern Stufenhöhe sind es bei 6 Prozent 2,83 Meter, bei 10 Prozent 1,70 Meter und bei 15 Prozent 1,13 Meter. Für Ihre Stufe rechnen Sie: Höhe ÷ Steigung × 100.

Gibt es eine Rollstuhlrampe für Treppen mit 3 Stufen?

Rechnerisch ja, praktisch ist sie selten sinnvoll. Drei Stufen von je 17 Zentimetern ergeben 51 Zentimeter Höhe. Eine mobile Rampe bräuchte bei 10 Prozent 5,10 Meter, eine feste Rampe nach DIN 18040 mit Zwischenpodest 10 Meter.

Passt jede Schienenrampe für ein Elektromobil?

Nein. Ein dreirädriges Elektromobil braucht eine dritte Schiene für das Vorderrad oder eine durchgehende Plattenrampe. Bei jedem Fahrzeug müssen außerdem der Abstand der Schienen und die Tragfähigkeit passen.

Was zählt zur Tragfähigkeit einer Rampe?

Alles, was gleichzeitig auf der Rampe ist: das Fahrzeug mit Akku, Sie selbst, Ihr Einkauf und eine schiebende Begleitperson auf der Rampe. Planen Sie eine Reserve ein.

Zahlt die Pflegekasse eine Rollstuhlrampe?

Eine Rampe am Hauseingang kann als Maßnahme zur Verbesserung des Wohnumfelds bei der Pflegekasse bezuschusst werden, wenn ein Pflegegrad vorliegt. Das ist eine Kann-Leistung, kein fester Anspruch. Einzelheiten stehen in Pflegegrad und Hilfsmittel. Ob das auch für eine mobile Rampe gilt, fragen Sie vor dem Kauf bei der Kasse nach.