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Sicherheit · 7 Minuten Lesezeit

Warum ein Elektromobil kippt: Gefälle, Bordstein und die Last hinten

Ein Elektromobil kippt nicht ohne Grund. Vier Situationen sind es fast immer: quer am Hang, schräg am Bordstein, zu schnell in der Kurve, Last zu hoch.

Von Steven Schulz · Stand:

Kippsicherheit: ebener Weg gegen Gefälle quer zum Hang Zwei Rückansichten desselben Elektromobils. Links auf ebenem Grund: die Lotlinie aus dem Schwerpunkt fällt in die Mitte der Standfläche zwischen den Rädern, der Abstand zur Kippkante ist groß. Rechts auf einem Weg, der zur Seite abfällt: Fahrzeug und Standfläche sind geneigt, die Lotlinie fällt nun dicht neben das talseitige Rad, die Reserve bis zur Kippkante ist klein. Ebener Weg Quer am Hang Standfläche Reserve Kante Am Hang wandert das Gewicht zur Kante.
Rückansicht eines Elektromobils, einmal auf der Ebene und einmal quer am Hang, mit der Lotlinie aus dem Schwerpunkt, die am Hang zur Kippkante über dem talseitigen Rad wandert.

Ein Elektromobil kippt nicht aus Pech. Es kippt, wenn Ihr Gewicht über die Fläche hinauswandert, die von den Rädern aufgespannt wird. Das ist der ganze Vorgang, und er ist berechenbar. Vier Situationen bringen genau das zustande: ein Gefälle, das Sie quer statt gerade befahren; ein Bordstein, den Sie schräg anfahren; eine Kurve, die Sie zu schnell nehmen; und eine Zuladung, die zu hoch oder zu weit hinten sitzt. Wer diese vier kennt, hat das Wesentliche.

Die Fläche zwischen den Rädern ist Ihre Reserve

Denken Sie sich Linien zwischen den Punkten, an denen die Räder den Boden berühren. Bei drei Rädern ergibt das ein Dreieck, bei vier Rädern ein Viereck. Solange Ihr Gewicht senkrecht über dieser Fläche liegt, steht das Fahrzeug. Wandert es über eine der Kanten hinaus, kippt es, und zwar plötzlich – nicht langsam, sondern ab einem Punkt ganz.

Seniorenmobile sind schmal gebaut, damit sie durch Türen passen; genau deshalb ist diese Fläche klein. Zwei Dinge entscheiden über die Reserve: ihre Größe und die Höhe Ihres Gewichts über ihr. Je höher Sie sitzen und je mehr Last oben liegt, desto weniger Neigung genügt. Deshalb ist ein hoch gepolsterter Sitz nicht nur bequemer, sondern verändert die Kippgrenze, und eine Tasche am Lenker wirkt anders als dieselbe Tasche im Korb unten.

Dass dreirädrige Fahrzeuge dabei weniger Reserve haben als gleich große vierrädrige, ist keine Meinung: Das Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbandes schreibt es in der Produktuntergruppe 18.51.05 ausdrücklich in die Produktbeschreibungen. Die Kehrseite ist der engere Wendekreis. Was für Sie die richtige Wahl ist, steht in drei oder vier Räder.

Wichtig ist der Satz, den das Verzeichnis bei beiden Bauarten notiert: Weil die Lenkbewegung mechanisch übertragen wird, kann es bei abrupten Lenkmanövern zum Kippen kommen. Vier Räder sind also kein Freibrief.

Erstens: das Gefälle, das Sie quer befahren

Das ist der gefährlichste der vier Fälle, weil er sich harmlos anfühlt. Auf einem Weg, der zur Seite abfällt – eine Deichflanke, eine Hofeinfahrt, eine abgesenkte Wegkante, ein Grünstreifen neben dem Gehweg –, neigt sich das Fahrzeug zur Seite. Ihr Gewicht wandert damit auf die talseitigen Räder zu, also auf die Kippkante. Gleichzeitig rutschen Sie selbst im Sitz ein Stück nach unten, und der Schwerpunkt wandert mit.

Die Regel dagegen ist einfach und unbequem: Ein Gefälle wird gerade befahren, bergauf oder bergab, nicht quer. Wenn ein Weg seitlich abfällt, fahren Sie auf dem höchsten Teil des Weges, nicht auf der Schräge. Und wenn Sie eine Rampe hinauf müssen, fahren Sie sie gerade an und halten nicht mitten auf der Schräge an.

Zu jedem Fahrzeug gehört eine Angabe, welche Steigung es maximal befahren darf. Sie steht in der Bedienungsanleitung, meist in Grad oder Prozent. Diese Zahl ist keine Empfehlung, sondern eine Grenze, und sie gilt für die gerade befahrene Steigung – nicht für die Schräge quer dazu. Wenn die Anleitung fehlt, fragen Sie den Hersteller nach dem Wert. Bei einem gebrauchten Fahrzeug gehört die Anleitung zum Kauf; lassen Sie sie sich beim Kauftermin zeigen.

Zweitens: der Bordstein, den Sie schräg anfahren

Eine Kante, die Sie schräg anfahren, hebt zuerst ein einzelnes Rad. Damit kippt das Fahrzeug um die Achse zwischen den beiden anderen, und Ihre Reserve ist in dem Moment nicht die ganze Fläche, sondern nur ein Teil davon.

Kanten werden deshalb im rechten Winkel angefahren, langsam und ohne Lenkbewegung während des Überfahrens. Wo eine abgesenkte Bordsteinkante in der Nähe ist, nehmen Sie den Umweg. Und wenn Sie mitten auf der Kante merken, dass es nicht weitergeht: nicht lenken, sondern zurücksetzen und neu ansetzen.

Drittens: die Kurve, die zu schnell ist

In der Kurve wirkt eine Kraft nach außen, die Ihr Gewicht über die äußere Kippkante schiebt. Sie wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit: Doppelt so schnell heißt viermal so viel Seitenkraft. Deshalb ist "etwas schneller" in einer Kurve kein kleiner Unterschied.

Zwei Kombinationen sind besonders ungünstig. Bremsen in der Kurve, weil das Gewicht dann gleichzeitig nach vorn und nach außen wandert. Und eine Kurve, die auf einem seitlichen Gefälle liegt, weil sich beides addiert.

Dort, wo Fußgängerverkehr zulässig ist, gibt § 24 Absatz 2 StVO ohnehin die Geschwindigkeit vor: Mit Krankenfahrstühlen darf dort gefahren werden, "jedoch nur mit Schrittgeschwindigkeit". Das ist keine Schikane, sondern in Kurven und an Kanten genau das Tempo, bei dem nichts passiert. Wo Sie fahren dürfen und wo nicht, steht in Gehweg oder Straße.

Viertens: die Last, die zu hoch oder zu weit hinten sitzt

Zuladung verändert zwei Dinge gleichzeitig: das Gesamtgewicht und die Lage des Schwerpunkts. Hoch am Lenker oder hinten über der Achse wirkt dieselbe Tasche deutlich stärker als unten zwischen den Achsen. Hinten kommt dazu, dass die Vorderräder entlastet werden – und damit die Lenkung leichter die Führung verliert, besonders bergauf.

Die erlaubte Zuladung ist meist kleiner, als Menschen schätzen. Die Rechnung dazu und die Stelle, an der die Zahlen stehen, finden Sie in Einkaufen und Zuladung.

Was am Fahrzeug tatsächlich hilft

Nicht jede Zusatzausstattung macht ein Fahrzeug sicherer. Diese Punkte tun es:

  • Der Reifendruck. Ein zu weicher Reifen walkt in der Kurve und verändert die Spur. Er ist der billigste Sicherheitsgewinn überhaupt; siehe Reifen und Luftdruck.
  • Die Sitzhöhe. Je höher der Sitz, desto kleiner die Reserve. Und eine Sitzposition, aus der Sie den Lenker nur mit gestreckten Armen erreichen, macht jede Korrektur zur Hebelbewegung.
  • Die Bremse. Das Hilfsmittelverzeichnis verlangt für Elektromobile Feststell- und Betriebsbremse gemäß StVZO. Wenn das Fahrzeug beim Loslassen des Fahrhebels nicht mehr sauber zum Stehen kommt oder am Hang nachgibt, ist das ein Werkstattfall, kein Gewohnheitsfall.
  • Die Beleuchtung. Nach § 66a Absatz 1 StVZO müssen Leuchten bei Dämmerung, Dunkelheit oder schlechter Sicht geführt werden, und an Krankenfahrstühlen müssen sie "zu jeder Zeit fest angebracht" sein. Was Sie nicht sehen, können Sie nicht umfahren.

Und die Leistung, die vielen nicht bekannt ist: Nach § 33 Absatz 1 SGB V umfasst der Anspruch auf ein Hilfsmittel auch "die Ausbildung in ihrem Gebrauch" sowie die notwendigen Wartungen und technischen Kontrollen. Eine Einweisung ist also Teil der Versorgung. Bestehen Sie darauf, am eigenen Fahrzeug und am eigenen Wohnort.

Wenn es doch passiert

Bleiben Sie zunächst liegen und prüfen Sie, ob Sie Schmerzen haben, bevor Sie aufstehen. Ein Sturz mit dem Fahrzeug ist ein Unfall; was danach zu tun und wem es zu melden ist, steht in Unfall mit dem Elektromobil. Ein Handy in der Jackentasche, nicht im Korb, ist dabei mehr wert als jede Ausrüstung: Im Korb liegt es nach dem Kippen unter dem Fahrzeug.

Was Sie jetzt tun können

  1. Suchen Sie in der Bedienungsanleitung die maximal zulässige Steigung und schreiben Sie sie auf einen Zettel am Ladegerät. Fehlt die Anleitung, fragen Sie den Hersteller nach dem Wert.
  2. Gehen Sie Ihre drei häufigsten Wege einmal zu Fuß ab und suchen Sie die Stellen, an denen der Weg seitlich abfällt. Legen Sie für jede eine Umfahrung fest.
  3. Prüfen Sie den Reifendruck und vergleichen Sie ihn mit der Angabe am Reifen oder in der Anleitung.
  4. Verlegen Sie alles Schwere nach unten zwischen die Achsen und nehmen Sie die Tasche vom Lenker.
  5. Fordern Sie die Einweisung nach § 33 Absatz 1 SGB V ein, wenn Sie sie nicht bekommen haben – bei der Kasse, nicht beim Händler.