Sicherheit · 8 Minuten Lesezeit
Elektromobil im Winter: sicher fahren bei Nässe, Kälte und Dunkelheit
Elektromobil im Winter: gesehen werden, Nässe einschätzen, mit weniger Reichweite rechnen. Und warum für Seniorenmobile keine Winterreifenpflicht gilt.
Von Steven Schulz · Stand:
Wer mit einem Elektromobil unterwegs ist, merkt den Winter nicht am Schnee. Schnee liegt in den meisten Gegenden Deutschlands an wenigen Tagen im Jahr. Was tatsächlich jeden Tag zwischen November und Februar gilt, ist etwas anderes: Es ist früh dunkel, es ist oft nass, und die Batterie gibt weniger her als im Sommer.
Mitte November wird es kurz vor halb acht hell und kurz nach halb fünf wieder dunkel. Das sind knapp neun Stunden Tageslicht, und in ihnen liegen Vormittag, Mittagessen und Nachmittag. Wer um vier beim Arzt losfährt, fährt den Rückweg im Dunkeln. Das ist der eigentliche Unterschied zum Sommer, und darauf kommt es an.
Diese Seite handelt vom Fahren. Wie Sie die Batterie über den Winter bringen, steht in Die Batterie im Seniorenmobil; wo das Fahrzeug nachts stehen sollte, in Elektromobil unterstellen und sichern.
Gesehen werden: der wichtigste Punkt des Winters
Ein Seniorenmobil ist niedrig, schmal und leise. Im Dunkeln, bei Regen und im Gegenlicht nasser Straßen ist es für Autofahrer schwer auszumachen — und ein Autofahrer, der Sie nicht sieht, kann nicht ausweichen.
Nach § 17 Absatz 1 StVO sind die vorgeschriebenen Beleuchtungseinrichtungen während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder dann zu benutzen, wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern. Im Winter bedeutet das: Licht an, sobald Sie losfahren, auch mittags bei Regen. Das Licht am Elektromobil dient weniger dazu, den Weg zu sehen, als dazu, gesehen zu werden.
Was darüber hinaus wirkt:
- Eine Warnweste über der Jacke. Sie ist das billigste und wirksamste Ausrüstungsstück, das es für dieses Fahrzeug gibt. Dunkle Winterkleidung schluckt jedes Scheinwerferlicht.
- Saubere Reflektoren. Ein Reflektor mit Schmutzfilm reflektiert kaum. Vor jeder Fahrt kurz abwischen, es dauert Sekunden.
- Eine Fahne oder ein Wimpel am Heck, wenn Sie zwischen parkenden Autos hindurchfahren. Er bringt Sie in das Blickfeld über der Motorhaube.
- Ein Blick auf die Streuscheiben. Beschlagene Leuchtengehäuse haben Wasser gezogen und leuchten schwächer. Das gehört in einen Fachbetrieb.
Nässe: nicht der Regen, das Laub
Das Rutschige am Winter ist selten Eis. Es ist nasses Laub, es ist der glatte Streifen auf einem Kanaldeckel, es ist die abgefahrene Asphaltnaht am Bordsteinabsenker. Drei Räder oder vier ändern daran weniger, als man hofft: ein dreirädriges Fahrzeug ist beim Lenken auf glatter Fläche empfindlicher, ein vierrädriges braucht mehr Platz. Was das im Einzelnen bedeutet, steht in Drei oder vier Räder.
Was hilft, ist Fahrweise, nicht Ausrüstung:
- Langsamer als im Sommer. § 3 Absatz 1 StVO verlangt, die Geschwindigkeit den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften des Fahrzeugs anzupassen. Bei einem Fahrzeug, das ohnehin 6 oder 15 km/h fährt, heißt das: eine Stufe zurück und nicht bis ans Ende der Skala.
- Geradeaus bremsen, nicht in der Kurve. Das ist die eine Regel, die auf glattem Grund den Unterschied macht. Vor der Kurve langsamer werden, in der Kurve nur rollen.
- Nicht gleichzeitig lenken und bremsen.
- Laub und Kanaldeckel umfahren, nicht überfahren. Ein halber Meter Bogen ist billiger als ein Sturz.
- Bordsteine nur an Absenkungen. Nasse Kanten sind schmieriger als trockene, und der Vorderreifen rutscht seitlich ab, statt hochzusteigen.
- Rechnen Sie mit einem längeren Bremsweg, ohne sich auf eine Zahl zu verlassen. Wie viel länger, hängt von Reifen, Belag und Gewicht ab. Der praktische Umgang damit heißt: früher anfangen.
Was das Sturzrisiko darüber hinaus senkt, steht in Sturzprävention am Elektromobil.
Kälte: die Reichweite ist eine andere
Eine Batterie gibt bei Kälte weniger Leistung ab. Das ist kein Defekt und keine Frage der Pflege, sondern Chemie: dieselbe Batterie, die im Juli die Strecke trägt, kann im Januar auf halbem Weg schwach werden. Und sie meldet das nicht rechtzeitig, weil die Anzeige die Spannung zeigt und nicht den Inhalt.
Daraus folgen drei Dinge für die Planung:
- Kalkulieren Sie im Winter mit deutlich weniger Weg als im Sommer und messen Sie es einmal selbst auf einer Strecke, die Sie kennen. Ihr eigener Wert ist besser als jede allgemeine Angabe.
- Fahren Sie voll los, jedes Mal. Eine halb geladene Batterie ist im Winter keine halbe Reichweite, sondern weniger.
- Planen Sie den Rückweg mit. Die Kälte trifft den Rückweg härter, weil die Batterie dann schon gearbeitet hat und ausgekühlt ist.
Wenn das Fahrzeug auskühlen musste, etwa zwei Stunden vor einem Geschäft: rechnen Sie nicht damit, dass es sich auf der Rückfahrt so verhält wie auf der Hinfahrt.
Zur Bedienbarkeit: Dicke Handschuhe sind warm und machen den Gasgriff ungenau. Nehmen Sie Handschuhe, mit denen Sie Hebel und Schalter sicher treffen — und probieren Sie das im Stand aus, nicht auf der Straße.
Glätte: warum es für Sie keine Winterreifen gibt
Für Kraftfahrzeuge gilt bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte die Winterreifenpflicht nach § 2 Absatz 3a StVO. Motorisierte Krankenfahrstühle im Sinne des § 2 Nummer 13 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung sind davon in Satz 2 ausdrücklich ausgenommen. Gemeint sind damit einsitzige Elektrofahrzeuge für körperlich behinderte Personen mit höchstens 15 km/h, einer Leermasse bis 300 Kilogramm und einer Breite bis 110 Zentimeter — also die Fahrzeuge, um die es hier geht.
Diese Ausnahme ist keine Erlaubnis, sondern eine Auskunft darüber, wie Ihre Lage aussieht: Sie müssen keine Wintereifen aufziehen, und Sie können es in der Regel auch nicht, weil es für diese Radgrößen kaum welche gibt. Ihr Winterreifen ist die Entscheidung, ob Sie fahren.
Bei echter Glätte gibt es deshalb nur zwei vernünftige Antworten. Die Strecke umfahren. Oder das Fahrzeug stehen lassen und den Weg anders erledigen. Über eine Eisfläche schieben ist keine dritte Antwort — wer neben dem Fahrzeug steht und es hält, stürzt genauso.
Lassen Sie das Fahrzeug stehen bei Blitzeis und Eisregen, bei starkem Schneefall, bei Sturmwarnung und bei Nebel, in dem Sie ein Auto erst erkennen, wenn es neben Ihnen ist. Dass das Fahrzeug mehr könnte, spielt dabei keine Rolle; die Frage ist, was die anderen sehen und was der Untergrund hergibt.
Nach der Fahrt: Salz ist das Problem, nicht die Nässe
Was im Winter am Fahrzeug arbeitet, ist nicht der Regen, sondern das Streusalz. Es bleibt unten hängen, in Radaufnahmen, an Bremszügen und an Kabeldurchführungen, und es frisst weiter, wenn das Fahrzeug längst im Trockenen steht.
Nach Fahrten auf gestreuten Wegen also: abspülen, unten anfangen, abtrocknen. Kein Hochdruckreiniger. Dann laden, dann abstellen — und nicht nass unter eine Plane, weil die Feuchtigkeit darunter bleibt. Die Abstände für alles Übrige stehen in Pflege und Wartung.
Was Sie jetzt tun können
- Probieren Sie heute alle Leuchten und die Hupe durch und wischen Sie die Reflektoren ab. Das ist der Handgriff mit der größten Wirkung.
- Legen Sie eine Warnweste dorthin, wo die Jacke hängt. Was im Schrank liegt, wird nicht angezogen.
- Fahren Sie Ihre wichtigste Strecke einmal bei Kälte und notieren Sie, was die Anzeige danach zeigt. Mit dieser Zahl planen Sie den Winter.
- Probieren Sie Ihre Winterhandschuhe im Stand am Gasgriff und an der Hupe aus, bevor Sie damit losfahren.
- Legen Sie für jeden regelmäßigen Weg fest, bis wann Sie zurück sein wollen, damit der Rückweg nicht im Dunkeln liegt.
- Waschen Sie nach jeder Fahrt auf gestreuten Wegen das Salz ab. Im Frühjahr sehen Sie den Unterschied.
Was der Winter am Fahrzeug hinterlassen hat, arbeiten Sie im März ab: der Ablauf steht in Frühjahrscheck am Elektromobil.