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Elektromobil testen: was die Probefahrt beantwortet und was nicht
Warum es beim Elektromobil keinen belastbaren Testsieger gibt, was eine Probefahrt wirklich klären kann und wer während der Fahrt haftet.
Von Steven Schulz · Stand:
Wer nach einem Test für Elektromobile sucht, sucht eigentlich nach einer Abkürzung: nach einem Urteil, das die Entscheidung übernimmt. Diese Abkürzung gibt es hier nicht, und das hat einen sachlichen Grund. Was es gibt, ist eine Prüfung, die aussagekräftiger ist als jede Rangliste — Ihre eigene, auf Ihren eigenen Wegen, mit Ihrem eigenen Körper.
Warum eine Rangliste hier nicht weiterhilft
Bei einem Waschmaschinentest sind die Aufgaben für alle Geräte gleich. Bei einem Elektromobil sind sie es nicht. Ob ein Fahrzeug taugt, hängt an Dingen, die nur Sie haben: an Ihrer Unterschenkellänge, an Ihrem Gewicht, an Ihrer Greifkraft, an der Breite Ihrer Haustür, an der Steigung vor Ihrem Haus und daran, ob Sie sich hineinsetzen oder seitlich hinübersetzen. Ein Fahrzeug, das für einen 95 Kilogramm schweren Mann auf flachem Land ausgezeichnet ist, ist für eine 52 Kilogramm leichte Frau am Hang ein anderes Fahrzeug.
Dazu kommt der Markt. Gebraucht angeboten wird, was gerade abgegeben wird, aus einem Dutzend Häusern und aus zehn oder mehr Baujahren. Eine Rangliste aktueller Neugeräte trifft davon wenig.
Es gibt nur einen Maßstab, der für alle gilt und nachprüfbar ist: die Anforderungen der Produktuntergruppe 18.51.05 des Hilfsmittelverzeichnisses. Wenn ein Fahrzeug dort gelistet ist, hat der Hersteller unter anderem einen gepolsterten, seitlich schwenkbaren Sitz, wegklappbare oder abnehmbare Seitenteile, Feststell- und Betriebsbremse gemäß StVZO, Beleuchtung gemäß StVZO, einen Rückspiegel, eine Akkukontrollanzeige und ein gefedertes Fahrwerk oder einen gefederten Sitz nachgewiesen. Das ist kein Testurteil, aber es ist eine belegte Untergrenze. Wie Sie das nachsehen, steht in Das Hilfsmittelverzeichnis lesen.
Zu Noten und Siegeln, die Sie im Netz finden, eine Bitte: Prüfen Sie bei jeder Rangliste, wer gemessen hat, wann, und was genau. Auf der Vorgängerfassung dieser Seite standen Bestenlisten und Urteile, hinter denen keine Messung stand. Sie sind entfernt.
Was eine Probefahrt tatsächlich klärt
Fünf Dinge, und es sind genau die fünf, an denen die meisten Fehlkäufe scheitern:
- Der Ein- und Ausstieg. Kommen Sie ohne Hilfe hinauf und wieder herunter? Dreht der Sitz weit genug, rastet er hörbar ein, lässt sich die Armlehne wegklappen?
- Die Sitzposition nach zwanzig Minuten. Nicht nach zwei. Die ersten Minuten sind auf jedem Fahrzeug bequem.
- Die Bedienkräfte. Der Fahrhebel oder Drehgriff muss mit der Kraft zu halten sein, die Sie an einem schlechten Tag haben, nicht mit der von heute. Schlüssel, Feststellbremse und Freilaufhebel müssen Sie selbst erreichen und selbst bewegen können.
- Der Wendekreis an Ihrer engsten Stelle. Eine Zahl im Datenblatt nützt nichts, solange Sie sie nicht gegen Ihren Flur gemessen haben.
- Das Verhalten auf Ihrem Untergrund. Kopfsteinpflaster, Schotterweg, abgesenkter Bordstein, die Rampe zu Ihrer Haustür.
Was sie nicht klären kann — und was stattdessen hilft
Hier wird oft zu viel von der Probefahrt erwartet:
- Die Reichweite. Eine halbe Stunde sagt nichts über 30 Kilometer. Prüfen Sie stattdessen Alter und Bauart der Batterie und lassen Sie sich die Rechnung des letzten Wechsels zeigen.
- Der Zustand der Batterie. Was Sie tun können: den Ladestand vor der Fahrt notieren und die Anzeige unter Last beobachten, also beim Anfahren und an einer Steigung. Fällt sie dabei tief und steigt danach wieder deutlich an, ist die Kapazität verbraucht.
- Das Verhalten im Winter. Kälte kostet Reichweite, und zwar deutlich. Eine Probefahrt im Juli zeigt das nicht.
- Ob es das Fahrzeug in fünf Jahren noch gibt. Fragen Sie nach der Ersatzteilversorgung und notieren Sie die Angaben vom Typenschild, siehe Ersatzteile finden.
Wer während der Probefahrt haftet
Diese Frage stellt fast niemand, und sie kann teuer werden. Klären Sie vorher zwei Dinge, am besten in einem Satz auf dem Papier, das Sie beide unterschreiben.
Wo gefahren wird. Auf privatem Grund — Hof, Einfahrt, Betriebsgelände — gelten die Verkehrsvorschriften nicht in derselben Weise wie auf öffentlicher Straße. Sobald Sie den Bordstein überqueren, schon.
Ob das Fahrzeug versichert ist. Fährt es bauartbedingt höchstens 6 km/h, gibt es überhaupt keine Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung; die Pflicht beginnt nach § 1a Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe a des Pflichtversicherungsgesetzes erst oberhalb von 6 km/h. Ob Ihre private Haftpflichtversicherung einspringt, wenn Sie auf einem fremden Fahrzeug jemanden anfahren, steht in Ihren Versicherungsbedingungen und nirgends sonst. Fragen Sie vorher bei Ihrem Versicherer nach.
Fährt das Fahrzeug schneller als 6 km/h, muss es ein gültiges Versicherungskennzeichen führen, um auf öffentlicher Straße in Betrieb gesetzt zu werden. Das Kennzeichen gehört zum Vertrag des Halters. Ob Sie als Fahrer mitversichert sind, sagt nur dieser Vertrag. Lassen Sie sich die Versicherungsbescheinigung zeigen — sie muss im Fahrzeug mitgeführt werden — und lesen Sie sonst Versicherungskennzeichen am Elektromobil.
Und halten Sie schriftlich fest, wer für einen Schaden am Fahrzeug selbst aufkommt, wenn während der Probefahrt etwas passiert. Ein Satz genügt.
Zwanzig Minuten in sechs Schritten
Halten Sie diese Reihenfolge ein. Sie führt von der geringsten zur größten Belastung, und Sie merken früh, wenn es nicht passt.
- Sitzen, ohne zu fahren. Steigen Sie ein, steigen Sie aus, dreimal. Bleiben Sie dann fünf Minuten sitzen, ohne den Motor einzuschalten.
- Alles bedienen, im Stand. Schlüssel, Licht, Blinker, Hupe, Rückwärtsgang, Feststellbremse, Freilaufhebel, Geschwindigkeitsregler. Fassen Sie jedes Teil selbst an.
- Geradeaus, langsam. Dreißig Meter, locker am Lenker. Zieht es zur Seite? Klackt etwas beim Anfahren?
- Wenden auf engem Raum. Legen Sie zwei Gegenstände im Abstand Ihrer engsten Stelle hin und wenden Sie dazwischen.
- Rampe oder abgesenkter Bordstein, hinauf und hinunter, langsam.
- Die steilste Stelle in der Nähe, hinauf — und am Gefälle die Bremsprobe: Fahrhebel loslassen, das Fahrzeug muss von allein zum Stehen kommen und stehen bleiben.
Danach steigen Sie ab und setzen sich hin. Schmerzen im Schulterbereich nach zwanzig Minuten bedeuten fast immer Sitzhöhe und Lenkerabstand, nicht das falsche Fahrzeug — was sich daran einstellen lässt, steht in Sitz und Lenker einstellen.
Auf sich achten, nicht nur auf das Fahrzeug
Zwei Beobachtungen zählen mehr als jede technische Angabe. Erstens: Fühlen Sie sich sicher, oder sind Sie angespannt? Angespanntes Fahren ermüdet und führt zu hastigen Lenkbewegungen — das Hilfsmittelverzeichnis weist bei drei- und vierrädrigen Elektromobilen gleichermaßen darauf hin, dass es bei abrupten Lenkmanövern zum Kippen kommen kann. Zweitens: Trauen Sie es sich im Verkehr zu? Wer nach der Probefahrt zögert, sollte nicht kaufen, sondern zuerst die erste Fahrt lesen und mit Begleitung üben.
Nehmen Sie jemanden mit, der zusieht. Angehörige erkennen von außen, ob der Ein- und Ausstieg wirklich funktioniert, während man selbst schon damit beschäftigt ist, es zu schaffen.
Wenn das Fahrzeug weit weg steht
Bei einem Gebrauchtangebot am anderen Ende des Landes stellt sich die Frage, ob man ohne Probefahrt kauft. Die kurze Antwort: nicht bei einem Fahrzeug, auf dem Sie sitzen. Was Sie stattdessen tun können, bevor Sie eine lange Fahrt antreten:
- Bitten Sie um Fotos vom Typenschild, von den Batterien mit Datum, von den Reifenflanken und von der Ladebuchse.
- Bitten Sie um ein kurzes Video, in dem das Fahrzeug anfährt, wendet und am Gefälle von allein anhält.
- Lassen Sie sich die Betriebserlaubnis abfotografieren und prüfen Sie die Nummern gegen das Typenschild.
- Zahlen Sie niemals etwas an, bevor Sie das Fahrzeug gesehen haben. Warum das so wichtig ist, steht in Betrug erkennen.
Was Sie jetzt tun können
- Messen Sie zu Hause Ihre engste Stelle und nehmen Sie das Maß als Zahl mit zum Termin.
- Vereinbaren Sie ausdrücklich zwanzig Minuten Fahrzeit und fragen Sie, wo gefahren werden darf.
- Klären Sie vor dem Aufsteigen die Versicherungsfrage und halten Sie in einem Satz fest, wer für einen Schaden aufkommt.
- Fahren Sie die sechs Schritte in der angegebenen Reihenfolge und schreiben Sie nach jedem ein Wort auf.
- Schlafen Sie eine Nacht darüber und arbeiten Sie danach die Besichtigungscheckliste ab, bevor Sie zahlen.