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Alltag · 6 Minuten Lesezeit

Die erste Fahrt mit dem Elektromobil: wo üben, wie lange, worauf achten

Die ersten Meter mit dem Elektromobil in Ruhe lernen: welcher Ort geeignet ist, welche vier Übungen in welcher Reihenfolge kommen und wann Sie aufhören.

Von Steven Schulz · Stand:

Vier Übungen für die erste Fahrt, in der richtigen Reihenfolge Vier nummerierte Felder. Erstens Anfahren und Anhalten: ein Fahrzeug fährt auf eine kräftige Haltelinie zu, Bremsen zuerst üben. Zweitens Geradeausfahren: das Fahrzeug in einer Spur, eine gestrichelte Blicklinie führt weit nach vorn zu einem Punkt. Drittens Kurven im Slalom: eine geschwungene Linie zwischen drei Kegeln, früh und weich lenken. Viertens Wenden auf engem Raum: eine Kehre zwischen zwei Wänden, deren Abstand nachgemessen wird. Vier Übungen, in dieser Reihenfolge 1 Anfahren und Anhalten Bremsen zuerst üben 2 Geradeaus fahren Weit nach vorn schauen 3 Kurven im Slalom Früh und weich lenken 4 Wenden auf engem Raum Breite nachmessen
Vier nummerierte Übungsfelder: Anfahren und Anhalten, Geradeausfahren mit Blick nach vorn, Slalom um drei Kegel und Wenden zwischen zwei Wänden.

Die erste Fahrt ist leichter, als sie sich anfühlt. Ein Elektromobil fährt Schrittgeschwindigkeit, hält an, sobald Sie den Hebel loslassen, und braucht keinen Führerschein: § 4 Absatz 1 Satz 2 Nummer 2 FeV nimmt motorisierte Krankenfahrstühle von der Fahrerlaubnispflicht aus. Was Sie brauchen, ist eine leere, ebene Fläche, eine halbe Stunde ohne Zuschauer und die Reihenfolge, in der man es lernt. Die beginnt nicht mit dem Fahren, sondern mit dem Anhalten.

Die Einweisung ist Ihr Recht, nicht ein Gefallen

Bevor Sie allein üben, steht Ihnen eine Einweisung zu. § 33 Absatz 1 Satz 5 SGB V nennt als Teil des Anspruchs ausdrücklich „die Ausbildung in ihrem Gebrauch“. Und die Dienstleistungsanforderungen des Hilfsmittelverzeichnisses werden noch deutlicher: Der Leistungserbringer hat eine sachgerechte, persönliche Einweisung in den bestimmungsmäßigen Gebrauch vorzunehmen, er muss sich davon überzeugen, dass Sie das Hilfsmittel sachgerecht anwenden und bedienen können, die Einweisung ist schriftlich zu dokumentieren, und eine allgemeinverständliche Gebrauchsanweisung in deutscher Sprache ist auszuhändigen.

Dazu gehört auch, dass das Gerät auf Sie eingestellt wird: Das Verzeichnis verlangt „die fachgerechte Anpassung und Einstellung des Hilfsmittels auf die individuellen Bedürfnisse“. Und weil die Erprobung „bei Bedarf am Einsatzort“ zu erfolgen hat, dürfen Sie darum bitten, dass das bei Ihnen zu Hause passiert und nicht im Ausstellungsraum.

Nehmen Sie zu diesem Termin jemanden mit, der mithört. Zwei Ohren behalten mehr als eines.

Der wichtigste Knopf ist der Geschwindigkeitsregler

Die Qualitätsanforderungen für Elektromobile verlangen eine „durch die Nutzerin oder den Nutzer begrenzbare Endgeschwindigkeit, vom Fahrsignalgeber unabhängig“. Im Klartext: Es gibt einen Regler, mit dem Sie die Höchstgeschwindigkeit herunterdrehen können, unabhängig davon, wie weit Sie den Fahrhebel bewegen.

Drehen Sie ihn für die ersten Übungen auf die niedrigste Stufe. Dann können Sie den Hebel auch versehentlich voll durchziehen, ohne dass etwas Schnelles passiert. Das nimmt mehr Anspannung heraus als jeder gute Rat.

Lassen Sie sich außerdem drei Dinge zeigen: wo die Feststellbremse ist, wie man das Fahrzeug im Leerlauf schiebt – eine Schiebemöglichkeit gehört zu den Pflichtanforderungen – und wie die Akkukontrollanzeige aussieht, wenn sie leer wird.

Wo Sie üben

Gesucht ist eine Fläche mit fünf Eigenschaften: eben, fest, leer, groß genug für eine Kehre, und mit einer Sitzgelegenheit in der Nähe. Alles andere kommt später.

Geeignet sind meistens:

  • der eigene Hof oder die eigene Einfahrt, wenn sie ohne Gefälle ist
  • ein leerer Teil eines Parkplatzes an einem ruhigen Tag
  • eine breite, wenig begangene Gehwegstrecke ohne Querstraßen
  • ein Schulhof oder Vereinsgelände außerhalb der Nutzungszeiten, wenn Sie fragen dürfen

Ungeeignet sind Kies, Rasen, Kopfsteinpflaster, Gefälle und alles mit Publikum. Die schlechteste Wahl ist ein voller Supermarktparkplatz, weil dort niemand mit Ihnen rechnet und Sie unter Druck geraten.

Vier Übungen in dieser Reihenfolge

Erstens: Anhalten. Fahren Sie zwei Meter und halten Sie an einer Linie, die Sie sich vorher aussuchen – eine Fuge im Pflaster genügt. Wiederholen Sie das, bis Sie ohne Nachdenken stehen. Wer das Anhalten kann, hat den Rest im Griff.

Zweitens: Geradeaus. Fahren Sie eine längere Strecke und schauen Sie dabei weit nach vorn, nicht auf den Lenker und nicht auf die Räder. Das ist dieselbe Regel wie beim Fahrrad: Das Fahrzeug folgt dem Blick. Wer auf das Vorderrad schaut, fährt Schlangenlinien.

Drittens: Kurven. Stellen Sie drei Gegenstände in eine Reihe und fahren Sie im Bogen darum. Lenken Sie früh und weich. Das Hilfsmittelverzeichnis warnt bei drei- und bei vierrädrigen Fahrzeugen mit demselben Satz: „Aufgrund der manuellen Übertragung der Lenkbewegungen kann es bei abrupten Lenkmanövern jedoch zu einem Kippen des Fahrzeuges kommen.“ Vier Räder schützen davor nicht. Langsames Lenken schützt.

Viertens: Wenden. Suchen Sie sich die engste Stelle, die Sie später täglich nehmen müssen, und üben Sie dort die Kehre. Messen Sie die Breite vorher nach. Wenn es nicht passt, ist das keine Frage des Übens, sondern eine Frage der Bauart – dazu Drei oder vier Räder.

Bordsteinkanten und Rampen kommen erst danach, und beim ersten Mal nicht allein.

Wie lange, und wann Sie aufhören

Eine Minutenzahl hilft hier nicht. Der bessere Maßstab: Hören Sie auf, bevor Sie müde werden, nicht danach. Zwei kurze Einheiten an zwei Tagen bringen mehr als eine lange, weil zwischen ihnen etwas hängen bleibt.

Aufhören sollten Sie, wenn Sie merken, dass Sie die Hand verkrampfen, dass Sie den Blick nicht mehr vom Boden lösen oder dass Sie über dieselbe Stelle zum dritten Mal ärgerlich werden. Beenden Sie die Übung nicht mit einem Misserfolg. Fahren Sie noch einmal die Strecke, die schon gut ging, und stellen Sie das Fahrzeug dann ab.

Und noch etwas, das selten jemand sagt: Es ist normal, dass sich die erste Fahrt fremd anfühlt. Sie sitzen höher als gewohnt, hören den Antrieb und schätzen Abstände anders ein. Nach der dritten oder vierten Übung merken Sie davon nichts mehr.

Die erste Fahrt draußen

Gehen Sie sie einmal zu Fuß oder mit Begleitung ab, bevor Sie fahren. Planen Sie eine Runde, die Sie kennen, mit einer Bank auf halbem Weg.

Zwei Regeln für draußen: Dort, wo Fußgängerverkehr zulässig ist, dürfen Sie fahren, aber nach § 24 Absatz 2 StVO „nur mit Schrittgeschwindigkeit“. Und rechnen Sie damit, dass Türen, die man von Hand aufziehen muss, allein nicht zu schaffen sind – das notiert selbst das Hilfsmittelverzeichnis als typische Einschränkung. Überlegen Sie vorher, an welcher Tür Sie klingeln oder wo Sie warten.

Wo Sie fahren dürfen und wo nicht, steht ausführlich in Gehweg oder Straße.

Was Sie jetzt tun können

  1. Vereinbaren Sie die Einweisung und bitten Sie darum, dass sie bei Ihnen zu Hause stattfindet. Lassen Sie sich Feststellbremse, Schiebestellung und Akkuanzeige zeigen.
  2. Lassen Sie Sitzhöhe, Lenkerstellung und Armlehnen einstellen, bevor Sie losfahren. Wie das sitzen muss, steht in Sitz und Lenker einstellen.
  3. Drehen Sie den Geschwindigkeitsregler auf die niedrigste Stufe und suchen Sie sich eine ebene, leere Fläche.
  4. Üben Sie in der Reihenfolge Anhalten, Geradeaus, Kurven, Wenden. Beenden Sie jede Einheit mit etwas, das gelungen ist.
  5. Fahren Sie die erste Runde draußen mit Begleitung. Für Angehörige, die dabei helfen wollen, ist Elektromobil für Angehörige gedacht.