Zum Inhalt springen
scooterprofi.de

Alltag · 7 Minuten Lesezeit

Elektromobil im Alltag: den Tag nach der Reichweite planen

Die Reichweite im Alltag entscheidet nicht über die Strecke, sondern über den Wendepunkt. Wie Sie Wege, Türen, Termine und die Rückfahrt zusammen planen.

Von Steven Schulz · Stand:

Der Wendepunkt liegt bei der Hälfte der nutzbaren Reichweite Ein waagerechter Balken steht für die nutzbare Reichweite eines Tages. Er ist in drei Abschnitte geteilt: Hinweg, Rückweg und am rechten Ende eine kleinere Reserve. Hinweg und Rückweg sind gleich lang; die senkrechte Linie zwischen ihnen ist mit Wendepunkt beschriftet. Eine Klammer unter dem Balken bezeichnet das Ganze als nutzbare Reichweite. Die Hälfte ist der Wendepunkt Jeder Kilometer hinaus ist ein Kilometer zurück. Wendepunkt Hinweg Rückweg Reserve nutzbare Reichweite Die Reserve bleibt für Kälte, Gegenwind und Umwege.
Ein Balken für die Restreichweite, geteilt in Hinweg, Rückweg und eine Reserve am Ende, mit dem Wendepunkt in der Mitte der nutzbaren Strecke.

Der Alltag mit einem Elektromobil hängt an einem Satz, den man sich einmal aufschreiben und dann nie mehr überlegen muss: Ihr Wendepunkt liegt bei der Hälfte der nutzbaren Reichweite, nicht an ihrem Ende. Jeder Kilometer hinaus ist ein Kilometer zurück, und der Rückweg ist der, bei dem es kalt geworden ist, der Einkauf im Korb liegt und der Wind gedreht hat.

Alles andere in diesem Artikel ist Handwerk: Wege vorher ansehen, Türen kennen, Termine anders legen, Fragen am Telefon stellen. Welche Reichweite Ihr Fahrzeug tatsächlich hat und warum die Zahl im Prospekt eine andere ist, steht in Reichweite realistisch einschätzen.

Die Rechnung für einen Tag

Nehmen Sie nicht die Reichweite aus dem Prospekt, sondern die Strecke, die Sie selbst schon einmal an einem Tag gefahren sind, ohne dass die Anzeige in den letzten Balken gefallen ist. Das ist Ihre nutzbare Reichweite.

Davon geht ein Rest ab, den Sie nicht verplanen: für den Umweg wegen der Baustelle, für die Steigung, die Sie vergessen hatten, für die Kälte. Was übrig bleibt, teilen Sie in zwei Hälften. Die eine Hälfte ist der Weg hin, die andere der Weg zurück.

Ein Beispiel mit runden Zahlen: Wenn Sie zwanzig Kilometer verlässlich fahren und vier Kilometer als Reserve zurückhalten, bleiben sechzehn. Ihr Wendepunkt liegt dann bei acht Kilometern. Das ist weniger, als die Prospektzahl vermuten lässt, und es ist die Zahl, mit der Sie abends wieder zu Hause sind.

Für Erledigungen kommt dazu, was Sie zwischen den Zielen fahren: vom Arzt zum Supermarkt, einmal um den Block, weil der Eingang auf der anderen Seite liegt. Diese Kilometer fallen aus der Hälfte für den Hinweg, nicht aus der Reserve.

Die Wege einmal zu Fuß oder im Auto abfahren

Eine Strecke, die auf der Karte gerade aussieht, hat drei Stellen, die über die Fahrt entscheiden: die engste Durchfahrt, die höchste Kante und das stärkste seitliche Gefälle.

  • Engste Stelle. Messen Sie mit dem Zollstock, nicht mit dem Auge: Haustür, Aufzug, Gartentor, die Lücke zwischen Poller und Mauer. Vergleichen Sie das mit Breite und Wendekreis im Datenblatt Ihres Fahrzeugs.
  • Höchste Kante. Suchen Sie die abgesenkten Bordsteine und legen Sie den Weg darüber, auch wenn er länger ist. Kanten werden im rechten Winkel genommen.
  • Seitliches Gefälle. Wege, die zur Seite abfallen, sind die häufigste Kippursache. Warum, steht in Warum ein Elektromobil kippt.

Legen Sie sich für Ihre drei häufigsten Ziele eine feste Strecke zurecht, statt jedes Mal neu zu entscheiden. Das klingt kleinlich und spart im Alltag die meiste Kraft.

Wo Sie fahren dürfen und wie schnell

§ 24 Absatz 2 StVO ist kurz: Mit Krankenfahrstühlen darf dort gefahren werden, wo Fußgängerverkehr zulässig ist, "jedoch nur mit Schrittgeschwindigkeit". Das ist im Alltag die wichtigere Hälfte der Regel, denn Schrittgeschwindigkeit heißt: Sie können jederzeit stehen bleiben, ohne zu bremsen. In einer Fußgängerzone, an einer Ladentür oder im Gedränge ist das der Unterschied zwischen einer Begegnung und einem Zusammenstoß.

Einkaufen: der Korb ist nicht die Grenze

Im Laden sind die praktischen Hindernisse meist andere als erwartet. Ein Seniorenmobil ist breiter als ein Einkaufswagen, aber die Gänge sind selten das Problem. Die Kasse ist es: Der Gang zwischen Band und Ständer ist oft schmaler als die Fahrzeugbreite. Fragen Sie beim ersten Besuch, welche Kasse die breite ist, und nehmen Sie danach immer die.

Die eigentliche Grenze ist das Gewicht, nicht der Platz. Wie viel Sie zuladen dürfen und wo die Last liegen soll, steht in Einkaufen und Zuladung. Zwei Gewohnheiten helfen: schwere Sachen nach unten, und zwei kleine Einkäufe in der Woche statt eines großen.

Termine: die drei Fragen am Telefon

Vor einem Termin bei Arzt, Amt, Bank oder Friseur klären drei Fragen fast alles. Fragen Sie nach Zentimetern, nicht nach dem Wort "barrierefrei":

  1. Wie breit ist die Eingangstür, und gibt es eine Stufe oder eine Schwelle?
  2. Wo kann das Fahrzeug stehen, wenn ich es drinnen nicht mitnehmen kann, und ist die Stelle im Blick von jemandem?
  3. Gibt es eine zweite Tür, etwa einen Lieferanteneingang, der ebenerdig ist?

Legen Sie Termine so, dass Sie nicht in der Dunkelheit zurückfahren, und rechnen Sie Zeit ein, die nichts mit dem Weg zu tun hat: für das Anschließen, für das Umsteigen, für die Suche nach der richtigen Tür.

Bus, Bahn und die Rückfahrt

Ein Elektromobil im Linienbus ist möglich, aber nicht überall gleich geregelt, und die Mitnahme im Zug entscheidet der Verkehrsverbund. Beides vorher zu klären ist wichtiger als jede andere Vorbereitung, denn ein verweigerter Einstieg auf dem Rückweg lässt Sie stehen. Wonach Sie fragen müssen und welche Fristen gelten, steht in Elektromobil in Bus und Bahn mitnehmen.

Halten Sie sich für den Rückweg immer eine zweite Möglichkeit bereit: jemand, der Sie abholt, ein Taxi mit Platz für das Fahrzeug, oder ein Ziel unterwegs, an dem Sie laden können.

Dämmerung, Nässe, Kälte

Nach § 66a Absatz 1 StVZO müssen bei Dämmerung, Dunkelheit oder schlechter Sicht vorn eine weiße und hinten eine rote Leuchte geführt werden; an Krankenfahrstühlen müssen sie "zu jeder Zeit fest angebracht sein". Schalten Sie das Licht früher ein, als Sie es brauchen: Es geht nicht darum, dass Sie sehen, sondern dass Autofahrer Sie sehen.

Kälte kostet Reichweite, und Nässe kostet Haftung. An nassen Tagen gilt deshalb beides: kürzere Wege und mehr Reserve. Was Sie an Wetterschutz brauchen und was nur teuer ist, steht in Zubehör fürs Elektromobil.

Abstellen und laden, jeden Tag gleich

Machen Sie aus dem Laden eine Gewohnheit, nicht eine Entscheidung: gleicher Platz, gleiche Steckdose, gleicher Zeitpunkt. Ein Fahrzeug, das nachts halb geladen im Regen steht, ist am nächsten Morgen zweimal ein Problem. Ein trockener, abschließbarer Platz mit einer Steckdose in Reichweite erspart im Winter die meisten Probleme.

Unterwegs gilt: Ziehen Sie den Schlüssel ab, nehmen Sie Tasche und Handy mit, und stellen Sie das Fahrzeug so ab, dass niemand daran vorbeimuss. Das Handy gehört in die Jackentasche, nicht in den Korb – im Korb liegt es nach einem Sturz unter dem Fahrzeug.

Nicht allein unterwegs

Zu dieser Seite gehören keine Ausfahrten und keine Fahrschulungen; sie ist ein Marktplatz für gebrauchte Fahrzeuge und sonst nichts. Wer Gesellschaft sucht, fragt besser dort, wo es sie wirklich gibt: bei der eigenen Gemeinde nach einem Seniorenbeirat oder einem Treffpunkt in der Nähe, beim Sozialverband, in der Kirchengemeinde. Und die erste längere Fahrt macht man besser mit jemandem zusammen.

Was Sie jetzt tun können

  1. Schreiben Sie Ihre nutzbare Reichweite und die Hälfte davon auf einen Zettel und kleben Sie ihn an das Ladegerät. Diese Hälfte ist Ihr Wendepunkt.
  2. Legen Sie für Ihre drei häufigsten Ziele je eine feste Strecke fest, über abgesenkte Bordsteine und ohne seitliches Gefälle.
  3. Messen Sie die engste Tür auf jedem dieser Wege mit dem Zollstock und notieren Sie das Maß.
  4. Rufen Sie vor dem nächsten Termin an und stellen Sie die drei Fragen nach Türbreite, Schwelle und Abstellplatz.
  5. Legen Sie eine zweite Möglichkeit für den Rückweg fest, bevor Sie zum ersten Mal weiter fahren als bisher.