Alltag · 6 Minuten Lesezeit
Einkaufen mit dem Elektromobil: was wirklich in den Korb darf
Zulässige Gesamtmasse, Leergewicht, eigenes Gewicht: So rechnen Sie die erlaubte Zuladung aus, und warum die Stelle der Last wichtiger ist als ihr Gewicht.
Von Steven Schulz · Stand:
Wie viel Sie einkaufen können, ist keine Frage des Platzes im Korb, sondern eine Frage der Kilogramm. Die entscheidende Zahl steht auf dem Typenschild Ihres Fahrzeugs: die zulässige Gesamtmasse. Davon gehen das Leergewicht des Fahrzeugs und Ihr eigenes Gewicht ab. Was übrig bleibt, darf zugeladen werden, und das ist bei vielen Fahrzeugen weniger, als ein Wocheneinkauf für zwei Personen wiegt.
Die Rechnung hat drei Zeilen
- Die zulässige Gesamtmasse vom Typenschild.
- Minus das Leergewicht einschließlich Akku, ebenfalls vom Typenschild oder aus der Bedienungsanleitung.
- Minus Ihr Gewicht, angezogen, mit Handtasche und Jacke.
Der Rest ist Ihre erlaubte Zuladung. Diese Zahl gilt nur für Ihr Fahrzeug, und sie lässt sich nicht aus einem Vergleich mit einem ähnlichen Modell ableiten. Zwei Fahrzeuge, die gleich aussehen, unterscheiden sich in Rahmen, Akku und Motor deutlich. Wenn Sie das Typenschild nicht finden, sehen Sie in der Anleitung nach oder fragen Sie im Sanitätshaus mit der Seriennummer nach.
Der Korb hat eine eigene Grenze
Neben der Gesamtmasse gibt es eine zweite, oft strengere Zahl: die zulässige Last für den Korb oder den hinteren Gepäckträger. Sie steht meist als Aufkleber am Korb selbst oder in der Anleitung.
Diese Grenze hat nichts mit der Gesamtmasse zu tun. Eine Korbhalterung kann sich verbiegen oder abreißen, lange bevor das Fahrzeug insgesamt zu schwer ist. Und ein hinterer Gepäckträger verlagert das Gewicht nach hinten, was am Anstieg die Vorderräder entlastet: Die Lenkung wird leicht und ungenau, genau dort, wo Sie sie brauchen.
Ein Mitfahrer ist keine Zuladung
Das kommt öfter vor, als man denkt: das Enkelkind auf dem Schoß, weil es nur zwei Straßen weit ist. Das ist nicht erlaubt. § 2 Nummer 13 FZV beschreibt den motorisierten Krankenfahrstuhl ausdrücklich als "einsitziges" Kraftfahrzeug. Es gibt also genau einen Sitzplatz, und der ist besetzt. Dazu kommt das Praktische: Ein Mensch auf dem Schoß sitzt hoch, bewegt sich und verdeckt die Sicht. Das ist die ungünstigste Last, die man sich denken kann.
Wo die Last hängt, zählt mehr als ihr Gewicht
- Tief und mittig ist immer besser. Schweres nach unten in den Korb, Leichtes nach oben. Getränke in den Fußraum, wenn Ihr Modell dort Platz hat und die Füße frei bleiben.
- Hoch und hinten kippt. Ein hoher Aufbau im Heckkorb wirkt in Kurven und an der abgesenkten Bordsteinkante wie ein Hebel. Bei dreirädrigen Fahrzeugen fällt das stärker aus als bei vierrädrigen, siehe drei oder vier Räder.
- Nie an den Lenker. Tüten am Lenker verändern die Lenkkräfte, schwingen und können in das Vorderrad geraten.
- Gleichmäßig verteilen. Eine schwere Tasche nur auf einer Seite lässt das Fahrzeug einseitig kippeln, besonders beim Anfahren am Hang.
Zum Zusammenhang von Last, Lage und Sturz lohnt der Artikel Sturzprävention.
Was sich mit voller Last verändert
Der Bremsweg wird länger, und zwar bergab deutlich mehr als in der Ebene. An Steigungen wird das Fahrzeug langsamer, der Motor wärmer. Die Reichweite sinkt. Wie stark, hängt von Fahrzeug, Strecke und Temperatur ab und lässt sich nicht als Prozentsatz angeben. Planen Sie im Zweifel mit weniger Reichweite und laden Sie nach dem Einkauf, statt sich auf eine Anzeige zu verlassen. Dazu Reichweite realistisch einschätzen.
Der Reifendruck wirkt wie zusätzliche Last: Zu wenig Luft erhöht den Rollwiderstand, verlängert den Bremsweg und lässt das Fahrzeug in Kurven weicher und kippfreudiger werden. Prüfen Sie ihn, bevor Sie schwer beladen losfahren, nicht danach. Siehe Reifen und Luftdruck.
Auch beim Einkauf gilt die Straßenverkehrsordnung
Ihr Elektromobil ist ein Fahrzeug, und damit gelten die Ladungsregeln. § 22 Absatz 1 StVO verlangt, die Ladung so zu verstauen und zu sichern, dass sie "selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen" kann.
Nach § 23 Absatz 1 Satz 1 StVO dürfen Sicht und Gehör nicht durch die Ladung beeinträchtigt werden, und Satz 2 verlangt, dass die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs durch die Ladung nicht leidet. Ein Korb, der so hoch gepackt ist, dass Sie nach rechts nicht mehr sehen, ist also nicht nur unklug, sondern auch nicht erlaubt.
Und die Regel, die immer gilt: Auf Gehwegen und in Fußgängerbereichen dürfen Sie fahren, aber nur mit Schrittgeschwindigkeit (§ 24 Absatz 2 StVO). Mit vollem Korb ist das ohnehin die vernünftige Geschwindigkeit.
Der Wocheneinkauf: was in der Praxis funktioniert
- Zwei kleine Fahrten statt einer großen. Der Weg ist kurz, das Fahrzeug steht ohnehin vor der Tür. Zwei Fahrten sind sicherer als eine überladene.
- Getränke gesondert regeln. Kisten und Mehrfachpackungen sind fast immer das Schwerste am ganzen Einkauf. Ein Lieferdienst für Getränke und der Rest mit dem Fahrzeug löst das Problem an der Wurzel.
- Taschen einhängen statt aufstapeln. Zwei Taschen mit Haken am Korbrand halten die Last tief. Ein Turm im Korb tut das Gegenteil.
- Einmal wiegen. Stellen Sie einen typischen Einkauf zu Hause auf die Personenwaage. Danach wissen Sie ein für alle Mal, ob Ihre Zuladung reicht, und müssen nicht jedes Mal schätzen.
- Den Einkaufswagen nicht schieben. Ein Wagen vor dem Fahrzeug nimmt Ihnen die Kontrolle über Lenkung und Bremsweg. Lassen Sie ihn stehen und tragen Sie die Ware die letzten Meter.
Was Sie jetzt tun können
- Suchen Sie das Typenschild, lesen Sie zulässige Gesamtmasse und Leergewicht ab und fotografieren Sie es.
- Rechnen Sie die drei Zeilen aus und schreiben Sie das Ergebnis auf einen Zettel, der im Korb bleibt.
- Wiegen Sie einen typischen Einkauf einmal ab und vergleichen Sie ihn mit dieser Zahl.
- Sehen Sie nach der zulässigen Korblast. Finden Sie keinen Aufkleber, fragen Sie mit der Seriennummer beim Hersteller oder im Sanitätshaus nach.
- Fahren Sie die erste voll beladene Fahrt bewusst auf einer bekannten Strecke, mit Ihrer üblichen Bordsteinkante und Ihrer üblichen Steigung. So merken Sie, was sich verändert, bevor es im Verkehr darauf ankommt.