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Technik · 6 Minuten Lesezeit

Blei oder Lithium: eine Rechnung über Jahre

Gewicht, Ladezeit, Lebensdauer und Preis im Vergleich. Wann sich ein Lithium-Akku im Elektromobil rechnet und wann ein Blei-Satz die vernünftige Wahl bleibt.

Von Steven Schulz · Stand:

Mehrere Blei-Sätze oder ein Lithium-Akku Zwei Zeitschienen über die Nutzungsjahre eines Elektromobils. Die obere Schiene für Blei besteht aus vier getrennten Abschnitten, also vier gekauften Sätzen. Die untere Schiene für Lithium ist ein einziger durchgehender Abschnitt. Mehrere Blei-Sätze oder ein Lithium-Akku Blei Lithium 1 2 3 4 ein Akku Nutzungsjahre Wie viele Sätze es werden, sagt der Fachbetrieb.
Zwei Zeitschienen über die Nutzungsjahre: die obere mit mehreren Wechselzeichen für einen Blei-Satz, die untere mit einem einzigen für einen Lithium-Akku.

Blei oder Lithium ist keine Technikfrage, sondern eine Rechnung über mehrere Jahre. Wer zweimal in der Woche zum Einkaufen fährt und das Fahrzeug abends am selben Platz an die Steckdose stellt, kommt mit einem Blei-Satz fast immer gut zurecht. Lithium lohnt sich dort, wo Gewicht oder Ladezeit wirklich im Weg stehen. Entschieden wird die Frage nicht am Kaufpreis, sondern an den Kosten je Jahr.

Was in den Fahrzeugen tatsächlich steckt

In den meisten Elektromobilen arbeiten zwei verschlossene Blei-Batterien in Reihe, meist als AGM- oder Gel-Bauart. Sie sind wartungsfrei, man muss kein Wasser nachfüllen, und Ersatz ist überall zu bekommen.

Lithium-Akkus für diese Fahrzeuge sind Einheiten mit eigener Elektronik, dem Batteriemanagement. Diese Elektronik schaltet ab, wenn Spannung, Strom oder Temperatur außerhalb des zulässigen Bereichs liegen. Das schützt den Akku, kann aber im Alltag dazu führen, dass das Fahrzeug plötzlich nichts mehr tut, obwohl die Anzeige eben noch Ladung gezeigt hat.

Welcher Typ bei Ihnen eingebaut ist, welche Spannung und welche Kapazität in Amperestunden er hat, steht auf dem Akku selbst und in der Bedienungsanleitung. Schätzen Sie diese Werte nicht. Wenn Sie ein gebrauchtes Fahrzeug ansehen, fotografieren Sie den Aufkleber.

Die vier Größen, an denen sich alles entscheidet

Gewicht: wichtig nur, wenn Sie heben müssen

Für das Fahren ist das Akkugewicht fast gleichgültig, das Fahrzeug trägt es. Wichtig wird es in dem Moment, in dem Sie den Akku herausnehmen: weil die Steckdose in der Wohnung ist und das Fahrzeug im Schuppen steht, weil Sie das Fahrzeug ins Auto heben, weil Sie im Obergeschoss wohnen. Für die gleiche Energiemenge bringt Blei erheblich mehr Kilogramm auf die Waage als Lithium. Die genauen Zahlen stehen auf dem Aufkleber des Akkus und im Datenblatt, und nur die zählen.

Ladezeit: ein Argument für wenige

Blei braucht die letzte Phase der Ladung besonders lange, und es will jedes Mal vollständig geladen werden. Über Nacht laden ist deshalb keine Empfehlung, sondern die normale Betriebsart. Ein Lithium-Akku nimmt die Ladung gleichmäßiger auf, ist meist früher fertig und verträgt kurze Zwischenladungen ohne Schaden.

Wer zweimal in der Woche fährt und das Fahrzeug nachts ohnehin an der Steckdose hat, gewinnt dadurch nichts. Wer mittags noch einmal nachladen möchte, um abends weiterzufahren, gewinnt viel.

Lebensdauer: eine Laborzahl und eine Alltagszahl

Hersteller geben die Lebensdauer in Ladezyklen an. Blei-Sätze werden meist in einigen hundert Zyklen angegeben, Lithium-Akkus in einem Vielfachen davon. Diese Zahlen sind unter Laborbedingungen gemessen und sagen über Ihren Alltag wenig.

Entscheidend ist die Behandlung. Bei Blei sind Tiefentladung und wochenlanges Stehenlassen im halb leeren Zustand die häufigste Todesursache. Bei Lithium schaden dauerhafte Vollladung und Hitze. Was Sie konkret tun können, steht in Akku-Pflege.

Kälte: beide verlieren, Lithium streikt anders

Im Winter gibt jeder Akku weniger Reichweite her, das ist Physik und kein Defekt. Der Unterschied liegt beim Laden: Viele Lithium-Akkus dürfen unter null Grad nicht geladen werden, und das Batteriemanagement verhindert es. Wer im ungeheizten Schuppen lädt, steht dann trotz angestecktem Ladegerät am Morgen ohne Ladung da. Lagern Sie den Akku frostfrei. Mehr dazu in Im Winter sicher fahren.

Die Rechnung, die wirklich zählt

Vergleichen Sie nicht die Kaufpreise, sondern die Kosten je Jahr. Der Rechenweg hat vier Zeilen, und Sie füllen ihn mit Ihren eigenen Angeboten aus, nicht mit Zahlen aus dem Internet:

  1. Preis für einen neuen Blei-Satz, einschließlich Einbau.
  2. Wie viele Jahre der Fachbetrieb bei Ihrem Fahrprofil erwartet.
  3. Preis für einen Lithium-Akku, einschließlich Einbau.
  4. Wie viele Jahre er hier erwartet.

Zeile eins geteilt durch Zeile zwei, Zeile drei geteilt durch Zeile vier. Erst diese beiden Zahlen sind vergleichbar. Holen Sie die Preise bei zwei Betrieben ein, und lassen Sie sich die erwartete Haltbarkeit ausdrücklich für Ihre Nutzung nennen, nicht allgemein.

Und dann kommt die Frage, die diese Rechnung oft umdreht: Wie lange behalten Sie das Fahrzeug? Ein Akku, der acht Jahre halten würde, nützt nichts, wenn das Fahrzeug nach vier Jahren ersetzt wird. Bei zwei Einkaufsfahrten in der Woche ist der Akku selten das Bauteil, das über die Lebensdauer entscheidet. Was ein Wechsel kostet, behandelt Batterie wechseln.

Wann Lithium die richtige Antwort ist

  • Sie müssen den Akku regelmäßig herausnehmen und tragen.
  • Sie verladen das Fahrzeug ins Auto, und jedes Kilogramm zählt. Dazu Im Auto transportieren.
  • Sie laden unregelmäßig und zwischendurch, oft nur teilweise.
  • Sie fahren täglich und über längere Strecken.

Wann Blei die vernünftige Wahl bleibt

  • Zwei oder drei kurze Fahrten in der Woche, geladen wird über Nacht am festen Platz.
  • Das Fahrzeug wird nicht getragen und nicht verladen.
  • Sie wollen niedrige Anschaffungskosten und Ersatz, den jeder Fachbetrieb vorrätig hat.
  • Sie kaufen gebraucht und wollen erst einmal sehen, ob das Fahrzeug zu Ihnen passt.

Umbauen ist keine Sache von zwei Kabeln

Ein Lithium-Akku in ein Fahrzeug einzubauen, das für Blei gebaut ist, ist kein Tausch, sondern ein Umbau. Das Ladegerät ist auf die Ladekennlinie des jeweiligen Typs abgestimmt, und das falsche Ladegerät ist ein Sicherheitsproblem, kein Komfortthema. Dazu kommen Bauform, Halterung, Steckverbindung, Absicherung und die Frage, ob die Anzeige im Fahrzeug den neuen Akku überhaupt richtig darstellt. Das geringere Gewicht verändert außerdem die Gewichtsverteilung und damit die Standsicherheit.

Fragen Sie deshalb beim Hersteller Ihres Fahrzeugs nach, ob es für Ihr Modell eine freigegebene Lithium-Lösung gibt. Ohne diese Freigabe ist der Umbau nichts für den eigenen Schuppen. Und wenn das Fahrzeug eine Leihgabe der Krankenkasse ist, ändern Sie daran ohnehin nichts selbst: Nach § 33 Absatz 5 SGB V kann die Kasse Hilfsmittel leihweise überlassen, Eigentümer sind Sie dann nicht.

Was Sie jetzt tun können

  1. Fotografieren Sie den Aufkleber auf dem Akku, damit Sie Typ, Spannung und Kapazität jederzeit parat haben.
  2. Holen Sie zwei Angebote ein, eines für Blei und eines für Lithium, jeweils mit Einbau und Entsorgung.
  3. Fragen Sie in beiden Betrieben, wie viele Jahre sie bei Ihrer Nutzung erwarten, und notieren Sie die Antwort mit dem Namen des Betriebs.
  4. Rechnen Sie die Kosten je Jahr aus und stellen Sie sie der Frage gegenüber, wie lange Sie das Fahrzeug behalten wollen.
  5. Wenn Sie den Akku tragen müssen, heben Sie ihn vor dem Kauf einmal selbst an. Diese eine Minute beantwortet die Frage oft schneller als jede Rechnung.