Mobilität im Alter: welche Hilfe wann passt
Überblick über Mobilitätshilfen: Gehstock, Rollator, Rollstuhl oder Elektromobil. Eine Entscheidungshilfe nach Gehstrecke und Einsatzort, mit Kostenträgern.
Nicht jede Einschränkung braucht ein Elektromobil. Diese Seite ordnet ein, welche Hilfe zu welcher Situation passt, damit Sie nicht das teuerste Gerät kaufen, sondern das richtige.
Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer Pflegeberatung, bevor Sie sich entscheiden.
Die einfachste Entscheidungshilfe: die Gehstrecke
Wie weit kommen Sie, ohne stehenbleiben zu müssen?
| Gehstrecke ohne Pause | Was meist passt |
|---|---|
| über 1.000 m | ein Gehstock, oder noch keine Hilfe |
| 500 bis 1.000 m | Rollator oder Gehstock |
| 100 bis 500 m | Rollator für drinnen, Elektromobil für draußen |
| unter 100 m | Elektromobil oder Elektrorollstuhl |
Diese Tabelle ist eine Orientierung, keine Diagnose. Sie hilft aber, das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten, und sie erklärt, warum die Frage nach der Gehstrecke in Metern in jedem Antrag auftaucht.
Die zweite Frage: wo nutzen Sie die Hilfe?
- Nur in der Wohnung: Rollator oder Rollstuhl. Ein Elektromobil ist dafür zu groß.
- Drinnen und draußen: Rollator, und für weitere Wege zusätzlich ein Elektromobil.
- Längere Wege draußen: Elektromobil.
- Reisen und Ausflüge: ein zerlegbarer Reisescooter. Siehe klappbare Elektromobile.
Viele Menschen brauchen zwei Dinge, nicht eins: einen Rollator für die Wohnung und die letzten Meter, und ein Elektromobil für die Strecke. Das ist kein Widerspruch.
Die Hilfen im Überblick
Gehstock
Für leichte Unsicherheit. Höhenverstellbar oder faltbar, mit verschiedenen Griffformen. Größenordnung: zweistelliger Bereich. Wird von der Krankenkasse üblicherweise übernommen.
Rollator
Für einen unsicheren Gang. Gibt es als Standardmodell mit Sitz und Korb, als Leichtgewicht aus Aluminium oder Carbon für aktive Nutzer, und als verstärkte Variante für höhere Belastung. Größenordnung: zwei- bis dreistelliger Bereich. In der Regel Standardversorgung der Krankenkasse.
Der Rollator hat einen Vorteil, den ein Elektromobil nicht hat: Er hält Sie in Bewegung. Wer noch gehen kann, sollte gehen.
Rollstuhl
Bei eingeschränkter oder aufgehobener Gehfähigkeit. Als Standardrollstuhl zum Selbstfahren oder Schieben, als leichter Aktivrollstuhl, oder als Elektrorollstuhl mit Steuerung über einen Joystick. Elektrorollstühle sind für Innenräume gebaut und deutlich wendiger als ein Elektromobil.
Elektromobil
Für mittlere bis längere Strecken draußen, bei erhaltener Restgehfähigkeit. Drei Klassen:
- Kompaktscooter: bis etwa 25 km, 6 km/h, für Stadt und Einkauf
- Reisescooter: bis etwa 20 km, 6 km/h, zerlegbar
- Komfortscooter: bis etwa 50 km, bis 15 km/h, für lange Strecken
Mehr dazu: Elektromobil-Modelle und Kaufberatung.
Weitere Hilfen
Aufstehhilfen für Sessel und Bett, Treppenlifte für mehrstöckige Wohnungen, Haltegriffe und Rampen. Für Umbauten in der Wohnung gibt es bei Pflegegrad Zuschüsse: siehe Pflegegrad.
Direkter Vergleich
| Hilfe | Reichweite | Tempo | Für wen | Größenordnung |
|---|---|---|---|---|
| Gehstock | unbegrenzt | Gehtempo | leichte Unsicherheit | zweistellig |
| Rollator | unbegrenzt | Gehtempo | unsicherer Gang | zwei- bis dreistellig |
| Rollstuhl | 5 bis 30 km | 4 bis 6 km/h | keine Gehfähigkeit | drei- bis vierstellig |
| Elektromobil | 20 bis 55 km | 6 bis 15 km/h | kurze Gehstrecke | vierstellig |
Die Preise sind Größenordnungen und unterscheiden sich stark je nach Ausführung und je nachdem, ob neu oder gebraucht.
Was Mobilität im Alltag bedeutet
Es geht nicht um Kilometer. Es geht darum, was ohne sie wegfällt:
- Soziale Teilhabe. Freunde besuchen, zu Veranstaltungen gehen, bei Familientreffen dabei sein.
- Selbstständigkeit. Selbst einkaufen, selbst zum Arzt, selbst entscheiden, wann man losfährt.
- Gesundheit. Bewegung, frische Luft, und weniger von dem, was langes Sitzen in der Wohnung mit einem Körper macht.
- Entlastung anderer. Angehörige müssen nicht jeden Weg fahren.
Wer die Kosten trägt
| Stelle | Leistung | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Krankenkasse | Hilfsmittel auf Verordnung | ärztliche Verordnung, medizinische Notwendigkeit |
| Pflegekasse | Pflegehilfsmittel, Wohnumfeldverbesserung | Pflegegrad |
| Sozialamt | Eingliederungshilfe | Einkommens- und Vermögensprüfung |
| Berufsgenossenschaft | volle Versorgung | Arbeitsunfall oder Berufskrankheit |
| Stiftungen | Zuschüsse | Antrag mit Begründung |
Der Weg zur Kostenübernahme in vier Schritten: Arztbesuch mit Verordnung, Kostenvoranschlag der versorgenden Stelle, Antrag bei der Kasse, Bewilligung. Ausführlich unter Förderung.
Beratung, die nichts kostet
- Pflegestützpunkte beraten kostenlos und unabhängig zu Hilfsmitteln, Pflegegrad und Anträgen.
- Sozialverbände helfen bei Anträgen und Widersprüchen.
- Die eigene Kranken- und Pflegekasse informiert über das Verfahren.
Nutzen Sie das. Diese Stellen kennen die aktuellen Beträge und die Praxis vor Ort, und sie verkaufen nichts.
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