Elektromobil bei Gehbehinderung: wieder mobil werden
Welches Elektromobil bei einer Gehbehinderung passt: Anpassungen bei Lähmung, Amputation, MS oder Herzerkrankung, und der Weg zur Kostenübernahme.
Eine Gehbehinderung bedeutet nicht das Ende der Mobilität. Ein Elektromobil kann den Radius zurückgeben, der verloren gegangen ist. Diese Seite zeigt, welche Modelltypen passen und wie eine Kostenübernahme funktioniert.
Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung. Was in Ihrem Fall passt, klären Sie mit dem Arzt und, wenn es um Anpassungen geht, mit einem Fachbetrieb für Rehatechnik.
Wann ein Elektromobil das Richtige ist
Ein Elektromobil setzt zwei Dinge voraus:
- Eine Restgehfähigkeit. Sie können noch einige Meter gehen, nur nicht weit. Wer gar nicht mehr gehen kann, ist mit einem Rollstuhl meist besser versorgt, weil dieser für Innenräume gebaut ist.
- Die Fähigkeit, das Gerät sicher zu bedienen. Lenken, bremsen, den Verkehr überblicken. Das ist nicht nur eine rechtliche Frage, sondern eine der Sicherheit: ein Elektromobil wiegt mehr als ein Mensch.
Häufige Ursachen, bei denen ein Elektromobil in Frage kommt, sind unter anderem Folgen eines Schlaganfalls, Multiple Sklerose, Parkinson, Amputationen, schwere Herzinsuffizienz und orthopädische Erkrankungen.
Welche Klasse passt?
- Bis 6 km/h für den Nahbereich. Kompakt, wendig, und die Klasse, die die Krankenkasse in der Regel vorsieht.
- 10 bis 15 km/h für weitere Strecken, wenn der nächste Ort einige Kilometer entfernt ist. Größer und schwerer, dafür mit mehr Reichweite und Komfort.
Beide Klassen gelten bis zu einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h als motorisierter Krankenfahrstuhl: keine Fahrerlaubnis nötig, und Sie dürfen Gehweg wie Fahrbahn benutzen, auf dem Gehweg im Schritttempo. Siehe Elektromobil-Geschwindigkeit.
Anpassungen für besondere Bedürfnisse
Elektromobile lassen sich in Grenzen anpassen. Was möglich ist, klären Sie mit einem Fachbetrieb für Rehatechnik; bei einer Kassenversorgung gehört das zur Aufgabe der versorgenden Stelle.
Bei halbseitiger Lähmung
Bedienung mit einer Hand, und ein drehbarer Sitz, damit der Umstieg auf die funktionierende Seite möglich ist. Prüfen Sie, auf welcher Seite der Bedienhebel liegt und ob er sich versetzen lässt.
Nach einer Amputation
Angepasste Sitzposition, gegebenenfalls ein verlängertes oder abgewandeltes Trittbrett, und ein Gurt, wenn die Sitzstabilität eingeschränkt ist.
Bei Multipler Sklerose oder Parkinson
Große Bedienelemente, die auch mit Tremor zu treffen sind. Eine Bedienung, die wenig Feinmotorik verlangt. Stabilisierung im Sitz. Und ein Gerät, das nicht ruckartig anfährt.
Bei Herzerkrankungen
Sanfte Beschleunigung, eine bequeme Sitzposition und eine einfache Bedienung, die nicht anstrengt. Wichtiger als Leistung ist hier, dass das Fahren selbst nicht belastet.
Was ein Elektromobil zurückgibt
- selbstständige Wege im Alltag
- Arztbesuche ohne fremde Hilfe
- Einkäufe und Besorgungen allein
- Besuche bei Familie und Freunden
- Teilnahme am Leben außerhalb der Wohnung
- die sozialen Kontakte, die sonst verloren gehen, weil der Weg zu weit ist
Der letzte Punkt wird am häufigsten unterschätzt und ist der wichtigste.
Kostenübernahme Schritt für Schritt
Elektromobile sind Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung. Bei medizinischer Notwendigkeit kann die Kasse die Kosten übernehmen.
- Ärztliche Verordnung vom Hausarzt oder Facharzt.
- Kostenvoranschlag durch die versorgende Stelle, meist ein Sanitätshaus.
- Antrag bei der Krankenkasse mit allen Unterlagen.
- Prüfung, gegebenenfalls durch den Medizinischen Dienst, teils mit Hausbesuch.
- Genehmigung, danach Lieferung und Einweisung.
Wichtig: Erst die Genehmigung, dann der Kauf. Wer selbst kauft, bevor die Bewilligung vorliegt, bekommt in der Regel nichts erstattet.
Ausführlich: Elektromobil auf Rezept, Krankenkasse. Was ein Schwerbehindertenausweis dabei bringt und was nicht, steht unter Schwerbehindertenausweis und Elektromobil.
Ein Pflegegrad ist nicht erforderlich. Wenn Sie einen haben, gibt es zusätzliche Leistungen: siehe Pflegegrad.
Wenn der Antrag abgelehnt wird
Ein Widerspruch innerhalb der im Bescheid genannten Frist ist möglich und oft erfolgreich, wenn die ärztliche Begründung nachgeschärft wird. Sozialverbände und Pflegestützpunkte helfen dabei kostenlos.
Und parallel: Ein gebrauchtes Gerät ist sofort verfügbar und kostet einen Bruchteil eines Neugeräts.
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